Kalkhoffs Mattscheibe

Kalkhoffs Mattscheibe

Das E-Bike von Kalkhoff in allen Ehren. Nie gefahren, nie gesehen, vielleicht ist es wirklich gut. Aber warum diese Werbespots? Seit Ende April bereits laufen im deutschen Fernsehen verschiedene Halbminüter mit Testimonials, die beschreiben, wieso das E-Bike von Kalkhoff revolutionär und der beste Kauf ihres Lebens ist. Leider funktioniert das nicht so richtig. Hier zunächst der Spot:

Wiederholung prägt sich ein – und nervt!

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Das Prinzip ist bekannt. Zu bekannt: Angebliche Kunden/Nutzer/Betroffene stehen vor weißem Hintergrund und erzählen ihre persönlichen Erfahrungen mit dem beworbenen Produkt. Dazwischen werden immer mal ein paar Stimmungs- und Aktionsbilder geschnitten. Hundertmal gesehen und schon beim zweiten Mal war es langweilig. Um das zu verdeutlichen, seien hier nur mal ein paar Spots vom gleichen Strickmuster aufgelistet, die einem aus dem Stand einfallen: BILD, E-Darling, Forschende Pharma-Unternehmen, World of Warcraft, ExxonMobil. Die Liste lässt sich fortsetzen. Es ist halt die einfachste Lösung, einfach Leute erzählen zu lassen, was ihnen am Produkt gefällt. In diesem Fall hat das sogar eine gewisse Berechtigung, ist aber trotzdem unkreativ, vor allem in der Umsetzung.

Soviel zu den Äußerlichkeiten. Inhaltlich wird es leider nicht besser. Denn betrachten wir mal, was Testimonial Michael Kaufmann, ähm… Michael, Kaufmann*, an seinem E-Bike so schätzt. „Mit dem E-Bike kann ich mich zeigen, das hat ne gewisse Coolness“. In einem etwas kürzeren Spot sagt er noch „Keiner überholt mich mehr“. Also sind E-Bikes für gesetzte Herren, deren Ego größer ist als ihre Oberschenkelmuskulatur? Womöglich stimmt das sogar…

Elena. Oder: Die Entdeckung des Prinzips „Fahrrad“

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Elena ist Designerin und redet, als wäre sie ihre eigene Parodie und ihr Clip liefe nicht bei Kalkhoffs E-Bike, sondern bei Kalkhofes Mattscheibe. „E-Bike? Hab ich gedacht…“, heißt es da. „Wasdasdenn? – ’n’annabbichs probeefahrn.“ Das soll wohl natürlich wirken, dieses Undeutliche, Wirre, Verpeilte. Elena ist eben Designerin und somit individuell, auch was ihr Sprechen angeht. Nur leider ist und bleibt „undeutlich“… nun ja, undeutlich und nicht natürlich.

Und dann wird es absurd. „Außerdem isses Fitness! Ich mein, ich muss nicht ins Fitness-Studio gehen, ich hab das Bike. Das ist Dauertraining. Der Cross-Trainer, den ich immer dabei hab.“ trällert Elena da in fast überzeugend gespielter Pseudo-Rechtfertigungs-Entrüstung. Nun, mal abgesehen davon, dass die wenigsten Menschen ihr Fahrrad tatsächlich überall hin mitnehmen – nein, Elena, dein E-Bike ist kein perfektes Fitness-Gerät! Sonst wäre es ja kein E-Bike, sondern ein normales Fahrrad. Ohne Motor. Sportler halten sich auch nicht mit Rolltreppen-Läufen fit.

Testimonials sind auch keine Lösung

Ich bin generell gegen Testimonials im Fernsehen. Sie sind immer der einfachste Ausweg. „Sie wissen nicht, wie Sie für Ihr Produkt begeistern sollen? Lassen Sie Ihre Kunden sprechen!“, „Sie haben ein Glaubwürdigkeitsproblem? Schaffen Sie Vertrauen, indem Kunden Sie loben!“ „Sie wissen nicht, was Sie sagen sollen? Ihren Kunden fällt schon was ein!“ – Bla, bla, bla. Wo bleibt da die Kreativität, wo die Herausforderung, wo das Besondere? Aber in der aktuellen Flut an Erzähl-mir-deine-ganz-persönliche-Geschichte-Spots, die selbst vor Verdauungs-Joghurts nicht Halt machen, kämpfe ich da wohl gegen Windmühlen. Also mache ich das Fass auch gar nicht weiter auf.

Ich habe sowieso keine Zeit mehr. Ich gehe jetzt Fahrrad fahren. Die Teile sollen ja angeblich fit halten.

*Wer genau hinsieht, kann sich noch über den Beschreibungs-Text des Videos freuen: „Neben Michael, die hier zu sehen ist, …“