Checkliste für eine barrierefreie Website

Das Internet ist für alle da. In westlichen Demokratien zunächst eine banale Feststellung, die aber im Detail in Konzept- und Programmierphase schnell knifflig werden kann. Um eine Website barrierefrei zu…

Das Internet ist für alle da. In westlichen Demokratien zunächst eine banale Feststellung, die aber im Detail in Konzept- und Programmierphase schnell knifflig werden kann. Um eine Website barrierefrei zu gestalten, gilt es viele Punkte zu beachten. Unsere Checkliste für eine barrierefreie Website hilft Ihnen, Ihre Internetpräsenz kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls zu überarbeiten. Ziel ist es, dass auch Menschen mit Behinderung und Suchmaschinen die Inhalte uneingeschränkt nutzen können.

Was bedeutet „barrierefreie Website“?

Zunächst sollten wir erst einmal klären, was unter einer barrierefreien Website verstanden wird. Der Begriff bezieht sich nicht nur auf Menschen mit Behinderung. Vielmehr umschließt er generell technische Einschränkungen, die ein Surfen auf so manch moderner Seite nahezu unmöglich machen. Barrierefreies Internet bedeutet außerdem, dass Web-Crawler gut durch eine Website kommen. Nur so können sie für Suchmaschinen erfasst werden. Eine barrierefreie Website bietet also die Möglichkeit, ohne Einschränkungen und zusätzliche Installation von Software auf eine Website und deren Inhalte zugreifen zu können. Eigentlich selbstverständlich, denn schließlich sollen möglichst viele Menschen erreicht werden. Doch wer schon einmal eine Website programmiert hat, weiß, dass man schnell in einem Tunnel ist. Hier wird schnell vergessen, dass auch andere Browser genutzt werden oder unter anderen Lebensumständen auf der künftigen Internetpräsenz gesurft wird.

Checkliste für eine barrierefreie Website

Unsere Checkliste richtet sich zum großen Teil nach der BITV 2.0: der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung). Diese wird als Maßstab an alle öffentlich zugänglichen Angebote von Behörden der Bundesverwaltung angelegt.

1. Textalternativen bereitstellen

Es mag anstrengend sein, aber es ist wichtig, dass bei jedem Bild der alt=““-Tag ausgefüllt wird. Dies hilft nicht nur Menschen mit Sehbehinderung, die sich eine Seite z.B. vorlesen lassen. Sondern ist auch aus SEO-Gründen notwendig. Denn Google & Co. crawlen auch diese Bildbeschreibungen. Das gilt übrigens auch für Links (title=““), Formularfelder (alt=““), Buttons etc. Kurz: Für jedes Element, das aus irgendwelchen Gründen auch mal nicht so angezeigt werden könnte, wie ursprünglich gedacht.

Für Videos und Sound-Dateien sind im Idealfall auch Textalternativen bzw. Untertitel bereitzustellen. Dies erleichtert Menschen mit einer Hörbehinderung den Zugang zu den Informationen. Außerdem entsteht zusätzlich auslesbarer Content.

2. Struktur einhalten

Warum Überschriften mit h1, h2, h3 etc. kennzeichnen? Diese Frage stellen sich vielleicht manche Website-Betreiber, die SEO bisher keine große Aufmerksamkeit geschenkt haben. Die Antwort: Suchmaschinen wissen eine gute Struktur der Seite zu würdigen. Und hierzu zählt es eben, eine Haupt-Überschrift (h1) zu haben und jeweils angeordnete Unterpunkte. Doch nicht nur Google freut sich darüber, es gehört ganz klar zu einem barrierefreien Konzept einer Website. Individuelle Styles können Sie über die CSS-Datei oder zusätzliche style=““-Angaben realisieren. Beachten Sie dabei jedoch die in HTML festgelegten Grundbefehle. Das gilt auch für Listen, Formatierungen im Text etc. Denken Sie immer daran: Ihre Website soll nicht nur auf dem eigenen Bildschirm schön aussehen, sondern von jeder Person gelesen werden können.

Natürlich gehört zum Thema Struktur auch die Navigation der Website. Diese sollte einheitlich und leicht erkennbar sein.

3. Kontrastverhältnis

Unsere Zusammenstellung von den schlechtesten Websites hat es bereits vereinzelt gezeigt: Wenn Hintergrund der Seite und Text miteinander verschwimmen, dann ist die schlechte Laune eurer Besucher garantiert! Im o.g. Gesetz wird ein Kontrastverhältnis von 4,5:1 vorgegeben. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, dann bieten Sie Ihren Besuchern gleich eine Kontrastvariante der Website an.

Hinweis: Sie hätten gern ein Beispiel? So haben wir es auf der B2C-Website für Eschenbach realisiert.

Oft reicht aber schon eine zweite oder dritte Meinung zur erstellten Seite: Können Ihre Test-User alles lesen oder stören Hintergrundfarben/-bilder? Ist Letzteres der Fall, dann schleunigst daran arbeiten!

4. Skalierung / Responsive Varianten

Kaum eine Website geht heutzutage noch an den Start, ohne auf mobile Endgeräte optimiert zu sein. Und das ist auch gut so! In diesem Punkt wird deutlich, dass Barrierefreiheit im Internet sich eben nicht nur auf körperliche Behinderung bezieht. Laut statista besuchen in Deutschland 68 % aller Internetnutzer das Web mit ihrem Handy / Tablet etc. Sie schließen also im schlimmsten Fall bis zu zwei Drittel Ihrer Besucher aus, wenn die Website mobil nicht richtig angezeigt wird.

Auch Suchmaschinen achten penibel darauf. Google zeigt bereits seit November 2014 an, ob eine Seite mobil freundlich ist. Dieser Faktor wird von Google übrigens auch als ein wichtiges Kriterium für das Ranking genutzt. Soll Ihre Website also unter den ersten ranken, muss sie mobil funktionieren.

Beachten Sie, dass einige Nutzer die Schrift im Browser vergrößern. Bei 200 % Vergrößerung sollte immer noch alles les- und erkennbar sein.

5. Sprache

Eigentlich auch ein selbstverständlicher Punkt. Aber nicht selten stolpere ich über Seiten, die wie ein direktes Gespräch in Umgangssprache geschrieben wurden. Das mag cool klingen oder für einen Lacher bei den Freunden sorgen, ist aber für Website-Projekte mit einem gewissen Anspruch nicht besonders vorteilhaft. Vorleseprogramme werden über Jugendsprache o.ä. stolpern und im schlimmsten Fall wird nicht einmal die verwendete Sprache erkannt.

Mundart-Websites stehen hier vor einem größeren Problem, denn die Abweichung vom Hochdeutsch gehört ja zur Grundvoraussetzung des Inhalts. Hier ist es zu empfehlen, zumindest Erläuterungen am Ende der Seite oder ein umfangreiches Lexikon anzubieten (es sei denn, man möchte absichtlich in Geheimsprache schreiben 😉 ).

6. Alternativen anbieten!

Was klingt, wie der erste Hinweis unserer Liste, sollte auch nicht vergessen werden: Zeitbegrenzungen bei Formularen, CAPTCHA Bilder etc. mögen aus eigenen Augen Sinn ergeben, können aber schnell Menschen für die Benutzung eurer Website ausgrenzen. Recherchieren Sie Alternativen und versuchen Sie diese in die Website einzubinden. In manchen Fällen, wie den bereits genannten CAPTCHA, werden Sie sicher auch an Grenzen stoßen. Vielleicht gibt es zumindest „barrierearme“ Varianten, die einen guten Mittelweg bieten?

7. META Angaben nicht vergessen

Title und META Description helfen nicht nur Google, sondern auch Menschen mit Behinderung. Wenn Ihre Nutzer Suchmaschinen nutzen und dann nur Textausschnitte als Metadescription bekommen, die irgendwie aus dem Zusammenhang gerissen sind, werden sie wahrscheinlich gar nicht erst Ihre Website anklicken. Nutzen Sie also die Metadescription, um Ihre Seiten besser zu beschreiben. Bei dieser Gelegenheit können Sie bestenfalls auch noch ein wichtiges Keyword unterzubringen.

Das Gesetz ist noch etwas umfangreicher. Aber aus meiner Sicht sind das die Punkte, die Sie für Ihre barrierefreie Website unbedingt beachten sollten. Es wäre doch schade, wenn sich Ihre Inhalte ungewollt vor ganzen Zielgruppen verstecken.

Foto: febelix (Lizenz: CC BY 2.0)

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